NOX AETERNA · Band 1 · Das Erwachen
KAPITEL 19: Asche im Wind
Der Mann auf dem Bock rührte sich nicht. Nur sein mechanisches Auge surrte leise, als die Linse herausfuhr und fokussierte. Es war ein Geräusch wie das Aufziehen einer Taschenuhr, unnatürlich laut in der Stille der Aschewüste.
Tarek hielt das Schwert tief, die Spitze auf den Boden gerichtet, aber seine Muskeln waren gespannt wie Drahtseile. „Wir suchen keinen Ärger“, sagte er, und seine Stimme war rau vom Durst. „Wir sind nur auf der Durchreise.“
Der Sammler lachte. Es war ein schepperndes Geräusch, als würden Kieselsteine in einer Blechdose geschüttelt. „Durchreise?“ Er spuckte einen Strahl schwarzer Kautabak-Brühe in den Staub. „Niemand reist durch das Bruchland, Soldat. Hier endet man. Entweder als Futter für die Geier oder als Ersatzteillager für mich.“
Er ließ die Zügel locker und griff hinter sich. Clara machte einen Schritt vor, das Schwert erhoben. „Lass die Waffe stecken, Mädchen“, sagte der Sammler, ohne hinzusehen. Er zog keine Waffe, sondern eine Feldflasche aus verbeultem Kupfer hervor. Er schraubte sie auf und nahm einen tiefen Schluck. Wasser lief ihm in den grauen Bart.
Das Geräusch des Schluckens war Folter für die Gruppe. Kael leckte sich unbewusst über die aufgesprungenen Lippen. Jory starrte die Flasche an, als wäre sie aus Gold.
Der Sammler wischte sich den Mund ab. Sein menschliches Auge blinzelte amüsiert. „Ihr seht aus wie getrocknete Fische“, stellte er fest. „Aegis-Rüstung. Akademie-Stoff. Und...“ Sein mechanisches Auge richtete sich auf Elias. Der Fokusring drehte sich mit einem Klicken. „...interessanter Schrott am Arm des Jungen.“
Elias zog den Ärmel instinktiv tiefer über den schwarzen Panzer. Er spürte den Blick des Mannes körperlich, wie eine Nadel auf der Haut.
„Was willst du?“ fragte Marcus. Er trat vor Jory, schob den Jungen in seinen Rücken. Er versuchte, fest zu klingen, aber er wusste, dass sie keine Verhandlungsmacht hatten. Sie waren am Ende.
„Ich?“ Der Sammler grinste, und seine Bronze-Wange glänzte im fahlen Licht. „Ich will wissen, warum die halbe Stadt brennt und warum ihr hier draußen rumkriecht wie Kakerlaken, wenn die Aegis normalerweise jeden erschießt, der auch nur in Richtung Sumpf hustet.“
„Die Aegis ist tot“, sagte Clara kalt. „Und die Stadt gehört den Schatten.“
Der Sammler pfiff durch die Lücke zwischen seinen Vorderzähnen. „Also ist es wahr. Der große Turm ist gefallen.“ Er musterte sie neu. Diesmal mit weniger Spott und mehr Berechnung. „Das macht euch zu Flüchtlingen. Und Flüchtlinge haben meistens nichts außer Läusen und Hunger.“ Er klopfte auf den Sitz neben sich. „Aber ihr habt Stahl. Guter, Akademie-geschmiedeter Stahl.“ Er deutete auf Claras Schwert und Tareks Klingen. „Und ihr habt Hände. Ich kann Hände brauchen.“
„Wofür?“ fragte Tarek misstrauisch.
„Wir bergen ein Wrack an der Küste. Ein Luftschiff der Ersten Ära, das der Sturm freigelegt hat. Schwere Arbeit. Gefährliche Arbeit.“ Der Sammler schraubte die Flasche zu und ließ sie an einer Kette baumeln. „Ihr helft mir beim Ausschlachten. Dafür nehme ich euch mit zum Hafen. Wasser, Essen und ein Dach, durch das es nur an drei Stellen regnet.“
Tarek wechselte einen Blick mit Clara. Es war ein Risiko. Ein riesiges. Wrack-Sammler waren bekannt dafür, Sklavenhändler zu sein, wenn es sich ergab. Aber dann sah Tarek zu Lyra, die kaum noch stehen konnte. Zu Kael, der aussah wie eine Leiche. Sie würden die nächste Nacht im Freien nicht überleben.
„Wie heißt du?“ fragte Tarek.
„Kaleb“, sagte der Sammler. „Aber die meisten nennen mich nur ‚Kupferkopf‘.“
„Wir sind dabei“, sagte Tarek. Er steckte sein Schwert weg. „Aber wenn du versuchst, uns zu verkaufen, Kaleb... dann schneide ich dir das andere Auge auch noch raus.“
Kaleb lachte wieder sein schepperndes Lachen. „Ein Mann mit Prinzipien. Gefällt mir. Steigt auf. Aber der Junge mit dem Buch...“ Er deutete mit der Peitsche auf Jory. „...sitzt vorne. Ich traue euch nicht, und ich will kein Messer im Rücken.“
Sie kletterten auf den Karren. Er war vollgestopft mit Schrott – verbogene Rohre, Zahnräder groß wie Wagenräder, Kisten mit seltsam leuchtenden Kristallen. Es roch nach Rost und Öl. Marcus half Jory auf die Ladefläche. Er setzte sich neben ihn, drückte den Rucksack an sich.
Der Karren setzte sich mit einem Ruck in Bewegung. Die Schuppen-Ochsen zogen an, ihre massiven Muskeln arbeiteten unter der grauen Haut. Die Räder knirschten über den steinigen Boden.
Marcus lehnte sich gegen eine Kiste. Er betrachtete den Schrott um sich herum genauer. Er nahm ein kleines Zahnrad in die Hand. Es war aus einem Metall, das er kannte. Sternenstahl. Es hatte Gravuren. Winzige Runen. Akademie-Fertigung. Modellreihe 7. Er blickte zu Kaleb, der entspannt auf dem Bock saß und ein Lied pfiff, das keinen Sinn ergab.
„Er plündert nicht nur“, flüsterte Marcus zu Tarek. „Er versteht das Zeug. Das hier... das ist ein Teil eines Äther-Kompensators. Das baut man nicht einfach aus, wenn man nicht weiß, was es ist.“
„Er ist ein Überlebenskünstler“, brummte Tarek. „Genau wie wir.“
Der Karren rumpelte weiter, tiefer in das Bruchland hinein. Hinter ihnen verschwand die brennende Stadt endgültig im Nebel. Vor ihnen lag eine Landschaft aus grauen Felsen und Dornenbüschen.
Elias saß am Ende des Wagens, die Beine baumelten herab. Er blickte auf seinen Handschuh. Das Pochen war leiser geworden, jetzt wo sie sich bewegten. Aber die drei Lichter in seinem Kopf... Rot, Grün, Grau... sie waren immer noch da. Wie Sterne auf einer Karte, die nur er sehen konnte.
Er wusste nicht, ob Kaleb sie retten oder verraten würde. Aber er wusste, dass dieser Karren sie näher an ihr Schicksal brachte. Und näher an den ersten Riss im Amulett.
Das Skelett im Sand
Die Fahrt war eine Tortur für Knochen, die ohnehin schon schmerzten. Der Karren hatte keine Federung. Jedes Schlagloch, jeder Stein im Bruchland sendete einen Stoß durch die hölzerne Ladefläche, der bis in die Zähne vibrierte.
Kaleb, der Wrack-Sammler, schien das nicht zu stören. Er saß entspannt auf dem Bock, summte eine Melodie, die wie das Quietschen einer rostigen Tür klang, und ließ die Zügel locker in seinen mechanischen Fingern liegen.
„Ihr seid still für eine Reisegruppe“, rief er über die Schulter nach hinten, ohne sich umzudrehen. „Normalerweise betteln Flüchtlinge um Wasser oder erzählen mir ihre Lebensgeschichte, in der Hoffnung, dass ich Mitleid habe.“
„Wir sparen unseren Atem“, antwortete Tarek trocken. Er saß mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, die Augen wachsam auf den Weg gerichtet, den sie gekommen waren. Aber da war nichts außer grauem Staub und Nebel.
Kaleb kicherte. „Klug. Mitleid ist hier draußen so nützlich wie ein Glas Wasser in der Wüste. Man kann es trinken, aber man ist fünf Minuten später wieder durstig.“
Er lenkte die Schuppen-Ochsen um einen riesigen Felsbrocken herum. „Sagt mir... was ist das für ein Metall an dem Arm des Jungen?“
Alle auf der Ladefläche versteiften sich. Elias zog seinen Umhang fester um sich. „Eine Verbrennung“, sagte Marcus schnell. „Alchemisches Feuer. Wir mussten es bandagieren.“
Kaleb drehte den Kopf. Sein mechanisches Auge zoomte mit einem leisen Srrrt auf Elias. „Ich kenne Verbrennungen, Schreiberling. Verbrennungen pulsieren nicht im Takt mit dem verdammten Riss am Himmel.“ Er grinste, entblößte gelbe Zähne. „Aber keine Sorge. Ich bin kein Inquisitor. Was ihr am Leib tragt, gehört euch. Solange ihr atmet. Sobald ihr aufhört zu atmen... gehört es mir.“
Clara legte die Hand an ihren Schwertknauf. „Wir haben nicht vor, so bald aufzuhören.“
„Das haben sie alle gesagt“, brummte Kaleb und wandte sich wieder den Ochsen zu. „Seht nach vorne. Da ist sie. Die Eisen-Witwe.“
Die Gruppe drehte sich um. Vor ihnen öffnete sich das Bruchland zum Meer hin. Der Nebel riss auf und gab den Blick auf einen grauen, tosenden Ozean frei, der gegen schwarze Klippen brandete. Aber das war nicht das, was Kaleb meinte.
Halb vergraben im Sandstrand, umspült von der salzigen Gischt, lag ein Leviathan. Es war das Wrack eines uralten Luftschiffs. Es musste hunderte Meter lang gewesen sein. Jetzt war es nur noch ein Gerippe aus verbogenen Stahlträgern, die wie die Rippen eines gigantischen Wales in den Himmel ragten. Die Außenhülle war längst weggerostet oder geplündert, aber die Struktur stand noch, trotzig gegen Wind und Wellen.
„Erste Ära“, hauchte Marcus ehrfürchtig. Er vergaß für einen Moment die Kälte und die Angst. „Ein Himmels-Dreadnought. Ich dachte, die existieren nur noch in Zeichnungen.“
„Das Meer hat ihn vor zwei Wochen ausgespuckt“, sagte Kaleb. Er stoppte den Karren am Rand der Klippe, die zum Strand hinabführte. „Ein Sturm hat den Sand weggespült. Das Ding ist voll mit Altmetall der Klasse A. Sternenstahl-Legierungen. Kupferleitungen, dick wie mein Bein.“
Er sprang vom Bock. Seine Stiefel knirschten im Kies. „Aber ich komme nicht an das Herz ran. Der Maschinenraum liegt tief im Rumpf. Und da unten...“ Er klopfte sich auf die metallene Gesichtshälfte. „...da unten spinnt meine Optik. Zuviel Reststrahlung.“
„Reststrahlung?“ fragte Lyra besorgt.
„Wilde Magie“, übersetzte Kael. Er stand auf dem Wagen und blickte auf das Wrack. Seine Augen leuchteten. „Der Kern ist noch aktiv. Oder zumindest leckt er. Ich kann es schmecken. Es schmeckt nach... Ozon und alten Gewittern.“
Kaleb nickte dem Wassermagier zu. „Du hast gute Instinkte, Fischgesicht. Ja. Da unten knistert es. Mein letzter Gehilfe ist da rein und kam mit gegrilltem Hirn wieder raus. Hat nur noch gesabbert.“
Er ging zur Ladefläche und sah Tarek an. „Der Deal ist simpel: Ihr geht da rein. Ihr holt mir den Konverter-Kern. Das ist ein faustgroßer Kristall, eingefasst in Blei. Wenn ihr ihn mir bringt, fahre ich euch zum Hafen, gebe euch Wasser, Essen und zeige euch den Weg durch die Sümpfe.“
„Und wenn wir sterben?“ fragte Zara.
„Dann habe ich mir das Futter für euch gespart.“ Kaleb zuckte mit den Schultern. „Das ist der Handel. Rost gegen Leben.“
Tarek blickte die Gruppe an. Sie waren am Ende. Elias zitterte. Clara hielt sich die Schulter. Sie hatten keine Wahl.
„Marcus“, sagte Tarek. „Weißt du, wie so ein Konverter aussieht?“
Marcus nickte. Sein Blick war auf das Wrack fixiert. Seine Angst wich langsam der wissenschaftlichen Neugier – seinem alten Schutzmechanismus. „Ja. Es ist ein Äther-Stabilisator. Aber Kaleb hat recht. Wenn er beschädigt ist, strahlt er unkontrollierte Energie ab. Wir brauchen einen Schutz.“
Alle Augen fielen auf Elias. Oder genauer: auf seinen linken Arm.
„Der Handschuh“, sagte Marcus leise. „Er absorbiert Magie. Er frisst sie. Elias... du bist der Einzige, der den Kristall anfassen kann, ohne zu verbrennen.“
Elias wich zurück. Er drückte den schwarzen Arm an seine Brust. „Nein. Er ist... er ist hungrig. Wenn ich ihm Energie gebe...“
„Dann wird er stärker“, vollendete Clara den Satz. Sie stieg vom Wagen, ihr Gesicht hart. „Aber wenn wir es nicht tun, verdursten wir hier am Strand. Wir haben keine Wahl, Elias.“
Sie halfen sich gegenseitig vom Karren. Der Wind hier unten am Meer war noch kälter, salziger. Kaleb warf ihnen ein Bündel Werkzeug vor die Füße – Brecheisen, Hämmer, eine rostige Säge. „Viel Spaß“, sagte er und setzte sich auf einen Stein, um sich eine Pfeife zu stopfen. „Ich warte hier. Die Flut kommt in drei Stunden. Beeilt euch, sonst müsst ihr schwimmen.“
Die Gruppe schulterte das Werkzeug. Sie gingen den Strand hinunter, auf das riesige Stahlskelett zu. Der Sand war schwarz, vulkanisch. Als sie den Schatten der Eisen-Witwe erreichten, wurde es still. Das Tosen der Brandung schien gedämpft zu werden.
Marcus fuhr mit der Hand über einen der Stahlträger, die aus dem Sand ragten. „Das Metall ist warm“, sagte er.
„Das ist nicht gut“, murmelte Zara.
Vor ihnen klaffte ein Loch in der Seite des Rumpfes. Ein dunkler Schlund, der ins Innere des toten Schiffes führte. Daraus wehte ein Luftzug, der nach Elektrizität roch.
„Ich gehe vor“, sagte Tarek und nahm ein Brecheisen in die eine Hand, sein Schwert in die andere. „Marcus, du dahinter. Sag mir, wo ich hintreten darf. Elias... bleib dicht bei mir.“
Sie traten ein. In den Bauch des Wals.
Das Innere der Eisen-Witwe war keine Ruine. Es war ein Grab, in dem die Zeit verrückt spielte.
Sobald sie durch das aufgerissene Loch im Rumpf geklettert waren, änderte sich die Akustik schlagartig. Das Tosen der Brandung draußen verstummte, als hätte jemand eine schwere Eisentür zugeworfen. Stattdessen hörten sie ein tiefes, vibrierendes Summen. Es klang wie das Atmen eines riesigen Tieres, das im Winterschlaf lag.
„Licht“, flüsterte Tarek. Lyra hob ihre Hand, doch bevor sie ihre Magie rufen konnte, flackerten die Lichter an den Wänden auf. Es waren alte Äther-Lampen, die eigentlich seit Jahrhunderten tot sein sollten. Jetzt glimmten sie in einem kränklichen, flackernden Gelb, gespeist von der Reststrahlung, die das Schiff durchströmte.
„Die Leitungen sind noch aktiv“, stellte Marcus fest. Er fuhr mit dem Finger über ein Bündel Kabel, das aus der Wand hing. Es vibrierte leicht. „Variable E: Energieerhaltung. Das ist unmöglich. Der Äthertank müsste längst leer sein.“
„Vielleicht wird er von etwas anderem gefüllt“, murmelte Elias. Er hielt seinen linken Arm fest an den Körper gepresst. Der schwarze Panzerhandschuh war warm. Er absorbierte die Strahlung in der Luft wie ein Schwamm.
„Weiter“, sagte Tarek. „Wir haben drei Stunden bis zur Flut.“
Sie bewegten sich tiefer in das Schiff. Der Boden war schief – das Wrack lag in einem 30-Grad-Winkel im Sand –, was das Gehen mühsam machte. Sie mussten sich an den Handläufen festhalten, um nicht abzurutschen.
Plötzlich blieb Clara stehen. Sie griff sich an den Kopf. „Hört ihr das?“
„Was?“ fragte Zara, die Hand an ihren Dolchen.
„Befehle“, flüsterte Clara. Ihre Augen wurden glasig. „Jemand brüllt Befehle. Steuerbord fünf Grad... Druckausgleich... wir verlieren Höhe...“
„Ich höre nichts“, sagte Tarek angespannt.
„Es ist ein Echo“, sagte Marcus schnell. Er trat an Clara heran, packte sie an der gesunden Schulter. „Sieh mich an, Clara! Es ist nicht real. Das Ätherfeld speichert akustische Ereignisse extremer Emotionen. Es ist wie eine Schallplatte, die springt. Ignorier es.“
Clara blinzelte. Der glasige Blick verschwand, wich der gewohnten Härte. „Es ist laut“, sagte sie nur und schüttelte den Kopf, als wollte sie Wasser aus den Ohren bekommen.
Sie erreichten eine Kreuzung im Gang. Der Weg nach unten war blockiert. Schwarzes, öliges Wasser stand dort, hüfthoch. Es schwappte träge hin und her, obwohl sich das Schiff nicht bewegte.
„Kael“, sagte Tarek. „Das ist dein Element.“
Kael trat vor. Er sah schlecht aus, ausgetrocknet und bleich, aber hier, in der Nähe des Wassers, schien er etwas Kraft zurückzugewinnen. Er streckte die Hände aus. „Teile dich“, befahl er.
Das Wasser gehorchte. Aber widerwillig. Es floss nicht elegant zur Seite, wie Kael es gewohnt war. Es zuckte. Es bildete Blasen, die platzten und nach Ozon stanken. Langsam bildete sich eine Gasse durch die Brühe.
„Schnell“, keuchte Kael. Schweiß brach auf seiner Stirn aus. „Es... es ist schwer. Das Wasser will nicht weichen. Es ist wütend.“
Sie hasteten durch den Tunnel aus schwarzem Wasser, der von Kaels zitternden Händen offen gehalten wurde. Marcus zog Jory mit sich, achtete darauf, dass der Junge das Wasser nicht berührte. Er sah kleine Blitze in der Flüssigkeit tanzen.
Als sie auf der anderen Seite ankamen, ließ Kael die Hände sinken. Das Wasser schlug hinter ihnen zusammen mit einem Geräusch wie ein Peitschenhieb. Kael sank auf die Knie, würgte. „Falsch“, keuchte er. „Alles hier ist falsch.“
„Wir sind nah dran“, sagte Elias. Er stand vor einer massiven Stahltür. Ein großes Rad war in die Mitte eingelassen, versiegelt mit Rost und Salz. Über der Tür stand in verblasster Schrift: MASCHINENDECK - ZUTRITT NUR FÜR ÄTHER-TECHNIKER.
„Der Kern“, sagte Elias. Er hob seinen Handschuh. Das Metall vibrierte jetzt sichtbar. Die Platten verschoben sich, Klick-Klack, als würde der Arm versuchen, sich auf eine Frequenz einzustellen. „Er ist da drin. Und er leckt.“
Tarek und Clara traten an das Rad. „Zusammen“, sagte Tarek. Sie stemmten sich dagegen. Claras Muskeln spannten sich unter dem Verband, Blut sickerte durch den Stoff, aber sie ignorierte es. Mit einem kreischenden Protest des Metalls drehte sich das Rad. Eins. Zwei. Die Riegel im Inneren der Tür sprangen auf.
Die Tür schwang nach innen auf. Ein Luftzug traf sie. Er war heiß und trocken und schmeckte nach Kupfer.
Sie traten in den Maschinenraum. Es war eine Kathedrale aus Technik. In der Mitte des Raumes, aufgehängt in einem Gyroskop aus messingfarbenen Ringen, hing der Konverter. Es war ein Kristall, groß wie ein Menschenkopf, eingefasst in einen Rahmen aus Blei und Sternenstahl. Früher muss er blau geleuchtet haben. Jetzt pulsierte er in einem kränklichen, violetten Rhythmus. Risse zogen sich durch die Oberfläche. Bei jedem Pulsieren verzerrte sich die Luft um ihn herum. Werkzeuge, die am Boden lagen, schwebten kurz auf und fielen dann wieder herab. Die Schwerkraft selbst war hier gebrochen.
„Das ist wilde Magie“, flüsterte Zara und wich einen Schritt zurück. „Wenn wir das Ding anfassen, zerreißen wir.“
„Nicht wir“, sagte Marcus leise. Er drehte sich zu Elias um.
Elias stand im Türrahmen. Das violette Licht des Kerns spiegelte sich in seinen Augen. Und in seinem Handschuh. Der schwarze Arm hatte aufgehört zu zittern. Er war jetzt absolut ruhig. Er streckte sich fast von alleine in Richtung des Kristalls aus, wie ein Magnet zum Eisen.
„Der Handschuh schützt dich nicht nur“, erkannte Marcus. Er sah die Gier in der Haltung des Jungen – oder vielmehr in der Haltung des Artefakts. „Er will es fressen.“
„Elias“, sagte Tarek warnend. „Behalt die Kontrolle.“
Elias trat vor. Er ging wie in Trance auf das Gyroskop zu. Ein Schraubenschlüssel schwebte an seinem Kopf vorbei. Er bemerkte es nicht. „Er hat Hunger“, flüsterte Elias.
Er stand jetzt direkt vor dem Kern. Die Hitze war enorm. Tareks Haare begannen sich statisch aufzuladen. „Mach es schnell!“ rief Clara.
Elias hob die linke Hand. Die schwarzen Finger spreizten sich. Er griff nach dem pulsierenden, instabilen Kristall.
In dem Moment, als das schwarze Metall des Handschuhs den violetten Kristall berührte, gab es keinen Knall. Es gab einen Ton. Einen hohen, reinen Ton, der nicht in den Ohren wehtat, sondern in den Zähnen. Das Licht im Raum wurde eingesaugt. Alles wurde schwarz. Und in der Dunkelheit hörten sie Elias schreien.
Der Schrei endete so abrupt, wie er begonnen hatte. Die Dunkelheit, die den Maschinenraum verschluckt hatte, zog sich zurück – nicht langsam, sondern saugend, als würde sie in einen Abfluss wirbeln. Und der Abfluss war Elias’ linker Arm.
Das violette, kranke Pulsieren des Konverter-Kerns war erloschen. Der Kristall, eben noch eine Nova aus wilder Magie, war nun grau und stumpf wie ein toter Stein. Elias kniete davor, den rechten Arm immer noch ausgestreckt, die Finger des schwarzen Handschuhs in das Blei-Gehäuse gekrallt. Rauch stieg von seiner Schulter auf. Nicht von Verbrennungen, sondern von Kälte. Reif bildete sich auf den Metallplatten des Handschuhs und kroch seinen Hals hinauf.
„Elias?“ Lyras Stimme zitterte.
Elias drehte den Kopf. Seine Augen waren für einen Moment komplett schwarz – keine Iris, keine Sklera, nur Leere. Dann blinzelte er, und das Braun kehrte zurück. Er atmete rasselnd aus. Eine weiße Wolke bildete sich in der stickigen Luft. „Er ist satt“, flüsterte Elias. Seine Stimme klang, als käme sie aus einem tiefen Brunnen. „Der Kern ist leer. Der Handschuh hat... er hat alles getrunken.“
„Dann weg damit“, befahl Tarek, der die Starre als Erster abschüttelte. „Bevor das Ding merkt, dass es noch Hunger hat.“
Tarek trat vor und rammte das Brecheisen hinter die Blei-Fassung des Kristalls. „Clara! Hier ansetzen!“
Clara war sofort an seiner Seite. Sie ignoriere den Schmerz in ihrer Schulter, packte das Brecheisen mit ihrer gesunden Hand und legte ihr ganzes Gewicht hinein. „Eins... zwei... ZIEH!“
Mit einem kreischenden Protest von Metall auf Metall löste sich die Halterung. Rost platzte ab, Schrauben schossen wie Geschosse durch den Raum. Der schwere Konverter-Kern kippte aus dem Gyroskop. Tarek fing ihn auf. Er sackte unter dem Gewicht kurz zusammen – das Ding wog gut zwanzig Kilo –, fing sich aber wieder. „Ich hab ihn“, grunzte er. „Kalt. Eiskalt.“
Im selben Moment gab das Schiff einen Laut von sich. Es war kein Summen mehr. Es war ein Ächzen. Ein tiefes, metallisches Stöhnen, das durch die Stahlträger vibrierte. Der Boden unter ihren Füßen neigte sich ruckartig um weitere zehn Grad.
„Variable S“, rief Marcus, der sich an einem Geländer festhielt, um nicht zu rutschen. „Statik! Die wilde Magie hat die Struktur zusammengehalten! Ohne die Energie gibt das Metall der Schwerkraft nach!“
Ein Rohr an der Decke platzte. Wasser – echtes Meerwasser diesmal, kein magisches Echo – schoss herein. „Die Flut“, erkannte Kael. „Das Meer drückt den Rumpf ein.“
„Lauft!“ brüllte Tarek. Er wuchtete sich den Kern auf die Schulter. „Raus hier!“
Sie rannten. Der Rückweg war ein Hindernisparcours in einem sterbenden Riesen. Der Gang, durch den sie gekommen waren, neigte sich nun steil nach oben. Sie mussten klettern, rutschten auf dem nassen, öligen Boden aus. Das Schiff bewegte sich. Es sackte tiefer in den Sand. Wände bogen sich nach innen, Nieten sprangen ab wie Pistolenkugeln.
„Jory!“ schrie Marcus. Der Junge war ausgerutscht, schlitterte auf einen Abgrund zu, wo der Boden weggebrochen war und schwarzes Wasser gurgelte. Zara war schneller. Sie hechtete vor, packte Jory am Kragen und riss ihn zurück. „Ich hab ihn!“ rief sie. „Bewegt euch!“
Sie erreichten die Stelle mit dem stehenden Wasser. Es war gestiegen. Es reichte jetzt bis zur Brust. Kael, der kaum noch stehen konnte, wurde von Lyra gestützt. „Schwimmen!“ befahl Clara.
Sie wateten durch die Brühe. Tarek hielt den Kern über dem Wasser, keuchend vor Anstrengung. Das Gewicht drückte ihn nach unten, der Schlamm saugte an seinen Stiefeln. Über ihnen begann die Decke sich zu senken. Stahlträger bogen sich unter dem Druck des Sandes, der von außen drückte.
„Da vorne!“ rief Elias. Er deutete auf das Loch im Rumpf, durch das fahles Tageslicht fiel. Es war nur noch ein schmaler Spalt. Das Schiff versank.
„Marcus, nimm Jory!“ schrie Tarek. „Werft sie durch!“
Marcus packte Jory und hob ihn hoch. Zara kletterte bereits durch den Spalt nach draußen, drehte sich um und zog den Jungen heraus. Dann Marcus. Dann Lyra und Kael. Clara schob von hinten.
Nur Tarek war noch drin. Das Wasser stand ihm bis zum Hals. Der Kern auf seiner Schulter wog Tonnen. Der Spalt wurde kleiner. „Tarek!“ schrie Clara von draußen. Sie streckte ihren Arm durch das Loch.
Tarek biss die Zähne zusammen. Er sammelte seine letzte Kraft. Er stieß den Kern durch den Spalt nach draußen, wo er mit einem dumpfen Plopp im Sand landete. Dann griff er nach Claras Hand. Sie zog. Er drückte sich ab. Metall schabte über seinen Rücken, riss seinen Mantel auf. Er flutschte durch die Öffnung wie ein Korken aus einer Flasche, genau in dem Moment, als der Stahlträger darüber nachgab und das Loch mit einem dröhnenden KRACH verschloss.
Sie lagen im nassen, schwarzen Sand des Strandes. Hinter ihnen bäumte sich die Eisen-Witwe ein letztes Mal auf, ächzte wie ein sterbendes Tier und sackte dann in sich zusammen. Eine riesige Fontäne aus Gischt und Sand schoss in die Höhe. Das Meer hatte sein Spielzeug zurückgefordert.
„Verflucht“, keuchte Tarek und drehte sich auf den Rücken. Er starrte in den grauen Himmel. Regen prasselte auf sein Gesicht.
Neben ihm lag der Blei-Kristall. Grau, unscheinbar, aber das Ticket für ihr Überleben.
Ein Schatten fiel auf sie. Kaleb stand über ihnen. Er hatte die Arme verschränkt, die Pfeife im Mundwinkel. Sein mechanisches Auge surrte, als er den Kern am Boden scannte. Dann sah er zu Elias, der zitternd im Sand kniete und seinen Arm hielt.
„Ihr habt das Schiff versenkt“, stellte Kaleb trocken fest. Er nahm die Pfeife aus dem Mund und stieß eine Wolke blauen Rauchs aus. „Und ihr habt mir mein Herz gebracht.“
Er bückte sich und hob den Kern auf, als würde er nichts wiegen. Er prüfte die Oberfläche mit seinen Bronze-Fingern. „Leer“, murmelte er anerkennend. „Keine Strahlung. Sauber wie ein Babypopo. Wie habt ihr das gemacht?“
„Betriebsgeheimnis“, krächzte Tarek und setzte sich auf.
Kaleb grinste. Es war kein freundliches Grinsen, aber es war eines voller Respekt. „Na schön. Ein Deal ist ein Deal.“ Er deutete mit dem Kopf zum Karren, der oben auf der Klippe wartete. „Steigt auf. Ich bringe euch zum Hafen. Bevor die Flut uns auch noch holt.“
Elias stand mühsam auf. Er fühlte sich leer. Ausgehöhlt. Der Handschuh an seinem Arm war kalt. Aber er spürte etwas Neues darin. Eine Sattheit. Eine schlummernde Kraft, die vorher nicht da war. Er hatte die wilde Magie nicht vernichtet. Er hatte sie gespeichert. Und er hatte Angst davor, was passieren würde, wenn er sie wieder freiließ.
„Komm, Kleiner“, sagte Zara und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir haben es geschafft.“
Elias nickte stumm. Sie kletterten die Klippe hinauf, weg vom Meer, weg vom Grab des Luftschiffs. Der Karren wartete.
Bruch-Hafen war keine Stadt. Es war ein Geschwür aus Rost und Treibholz, das am Rand der Welt wucherte.
Als Kalebs Karren aus dem Nebel rollte, sahen sie die Siedlung zum ersten Mal. Dutzende von Hütten klammerten sich an die Felsen oder standen auf wackeligen Pfählen im schwarzen Schlamm des Deltas. Sie waren nicht gebaut, sie waren zusammengewürfelt – Wände aus Schiffsrümpfen, Dächer aus Segeltuch und Wellblech, Schornsteine aus alten Kanonenrohren. Es stank nach verbranntem Öl, Fischabfällen und ungewaschenen Körpern. Aber für die Gruppe auf dem Karren roch es nach dem Paradies.
„Köpfe runter“, knurrte Kaleb, ohne sich umzudrehen. „Hier stellt man keine Fragen. Und man zeigt keinen Akademie-Stahl offen. Wenn einer sieht, was die Kriegerin da am Gürtel trägt, schneiden sie euch die Kehlen durch, bevor ihr ‚Hallo‘ sagen könnt.“
Clara zog ihren zerfetzten Umhang instinktiv über den Schwertgriff. Tarek tat dasselbe. Sie rumpelten über einen Weg aus verdichteter Asche und Muscheln in das Zentrum der Siedlung. Menschen starrten sie an. Wrack-Sammler mit mechanischen Gliedmaßen, Händler mit vernarbten Gesichtern, Kinder, die im Schlamm nach wertvollem Schrott wühlten. Niemand lächelte. Jeder Blick war eine Kalkulation: Bist du Beute oder Gefahr?
Kaleb stoppte vor einer Hütte, die etwas abseits stand, gebaut aus dem umgedrehten Rumpf einer alten Fregatte. „Absteigen“, befahl er.
Er führte sie hinein. Es war dunkel drinnen, aber trocken. Eine Feuerstelle in der Mitte spendete Wärme. An den Wänden hingen Werkzeuge, Netze und seltsame Artefakte aus der Ersten Ära. „Wasser“, sagte Kaleb und deutete auf ein Fass in der Ecke. „Brot und Trockenfleisch sind in der Kiste da. Es ist zäh wie Leder, aber es hält am Leben.“
Die Gruppe stürzte sich nicht darauf. Sie gingen langsam, fast andächtig zum Wasserfass. Marcus füllte einen Becher und gab ihn zuerst Jory. Der Junge trank gierig, Wasser lief ihm über das Kinn und wusch den Ruß weg. Dann trank Marcus. Es war Brackwasser, leicht salzig und schmeckte nach Eisen. Es war das beste Wasser, das er je getrunken hatte.
Kaleb lehnte im Türrahmen, den Konverter-Kern aus Blei unter dem Arm. „Wir sind quitt“, sagte er. „Ihr habt ein Dach für zwei Nächte. Danach... seid ihr auf euch allein gestellt.“
„Wohin geht man von hier?“ fragte Tarek, der sich ein Stück Trockenfleisch in den Mund schob.
„Nirgendwohin“, sagte Kaleb und zündete sich seine Pfeife an. „Die meisten bleiben und verrotten. Aber wenn ihr lebensmüde seid... im Süden liegt die Wüste Ashara. Im Osten der Smaragd-Dschungel. Und im Westen das Meer.“ Er stieß eine Rauchwolke aus. „Egal wohin ihr geht, der Tod wartet. Aber hier im Hafen wartet er wenigstens mit einem vollen Magen.“
Er drehte sich um. „Schlaft gut. Und verriegelt die Tür. Wir haben keine Gesetze hier, nur Preise.“
Er ging und zog die schwere Tür hinter sich zu. Tarek schob sofort den massiven Riegel vor. Klack.
Zum ersten Mal seit dem Fall der Bibliothek waren sie eingeschlossen. Aber diesmal fühlte es sich nicht an wie ein Gefängnis. Es fühlte sich an wie eine Burg.
Die Gruppe verteilte sich im Raum. Es gab alte Matratzen, Felle, Hängematten. Lyra sank sofort auf ein Bündel Felle und schlief ein, noch bevor ihr Kopf das Kissen berührte. Kael setzte sich in die Nähe des Feuers, starrte in die Flammen. Clara und Tarek blieben wach, saßen an der Tür, die Waffen griffbereit. Alte Gewohnheiten starben langsam.
Marcus setzte sich an einen wackeligen Tisch in der Ecke. Eine Öllampe flackerte dort. Er holte sein kleines Notizbuch hervor. Er blätterte die Seite um. Seine Handschrift war zittrig, aber lesbar.
Er schrieb: Tag 2 nach dem Fall. Ort: Bruch-Hafen. Koordinaten: Unbekannt. Status: Überlebende: 7 (Thaddeus: vermisst/gefallen). Ressourcen: Minimal.
Er hielt inne. Er sah zu Jory, der auf einer Matratze schlief, den Codex als Kopfkissen. Er sah zu Elias, der unruhig im Halbschlaf zuckte. Er schrieb weiter: Wir sind keine Flüchtlinge mehr. Die alte Welt existiert nicht mehr. Titel und Ränge sind wertlos. Wir sind jetzt Händler. Unsere Währung ist Überleben. Variable Z: Zukunft. Wahrscheinlichkeit des Scheiterns: 90%. Aber wir sind noch hier.
Marcus schloss das Buch. Er legte den Kopf auf seine Arme und ließ die Erschöpfung endlich zu.
In der Ecke wimmerte Elias. Er war nicht wach, aber er war auch nicht im Bruch-Hafen.
Er trieb in einem schwarzen Ozean. Aber diesmal war er nicht allein. Drei Lichter durchbrachen die Dunkelheit, schärfer als zuvor.
Das Rote Licht im Süden war kein diffuses Glimmen mehr. Es war eine Sonne, die über einer Stadt aus Glas und Sand stand. Er hörte das Klirren von Windspielen aus Knochen. Er spürte den Durst, der die Kehle zu Staub zerrieb. Ashara.
Das Grüne Licht im Osten pulsierte wie ein Herzschlag. Er sah riesige Bäume, deren Kronen den Himmel verdeckten. Er roch süßes Gift und hörte das Zischen von Schlangen, die so groß waren wie Drachen. Der Smaragd-Dschungel.
Und das Graue Licht im Westen... es war kalt. Er sah Wellen, hoch wie Berge. Er sah Inseln, die im Nebel verschwanden und wieder auftauchten. Und er hörte Gesang. Einen Gesang, der wahnsinnig machte. Die Nebel-Inseln.
Die drei Lichter zogen an ihm. Sie zerrten an dem Handschuh, der mit seinem Fleisch verwachsen war. Und plötzlich hörte er eine Stimme. Nicht Thaddeus. Nicht Arkan. Es war eine Stimme, die klang wie das Brechen von Eis.
Bring uns zusammen, Träger. Oder zerbrich an der Leere.
Elias riss die Augen auf. Er lag in der Hütte im Bruch-Hafen. Das Feuer war heruntergebrannt. Er atmete schwer. Er griff an seinen Hals, an das Amulett unter dem Schlamm und den Verbänden. Er spürte etwas Neues. Einen feinen, haarfeinen Riss im Stein.
Das erste Siegel war gebrochen. Der Weg lag vor ihnen.